Monatsarchiv: September 2026

Verzerrter Wohnungsmarkt

Das in Köln unmittelbar am Hauptbahnhof mit Blick auf den schönen Rhein ansässige Institut der Deutschen Wirtschaft hat am 20.07.2026 seinen IW-Wohnindex Q2 2026 – IW-Report 34/2026 veröffentlicht und hierbei unter anderem folgendes festgehalten:

„Zu wenig Mobilität auf dem Mietmarkt

Wer mieten will, trifft auf knappes Angebot und steigende Preise – wer kaufen will, scheitert oft an der Finanzierung. Beides zusammen blockiert den Markt: Bei hohen Neuvertragsmieten bleiben Haushalte länger in ihren Wohnungen, immer weniger Immobilien werden frei. Hinzu kommt ein Fehlanreiz: Viele Menschen verbleiben in Wohnungen, die nicht zu ihrer Lebenssituation passen – zu groß, zu klein – weil sie ihre günstigen Mieten nicht aufgeben wollen.

„Auf dem Mietmarkt fehlt nicht nur Neubau, sondern auch Bewegung im Bestand“, sagt IW-Immobilienökonom Pekka Sagner. „Die Umzugsmobilität ist zu gering – bestehender Wohnraum wird nicht umfänglich genutzt. Noch strengere Mietregeln würden diesen Effekt verstärken und das Angebot für Wohnungssuchende weiter verknappen.“

Dem ist nichts hinzuzufügen und bestätigt die eigenen Erfahrungen im Zusammenhang mit der letzten Vermietung, wenn auch nicht in der Kölner Großstadt, sondern im beschaulichen Rhein-Erft-Kreis:

Am besten ist es zunächst, wenn man auf eine (gute) Empfehlung des Bestandsmieters zählen kann. Das kann im Einzelfall auch etwaige Mobiliarübernahmen bzw. überhaupt Wohnungsübergaben vereinfachen. Auch die doch (auch infolge der Knappheit) recht gute „Buschtrommel/ Mund-zu-Mund-Propaganda“ kann passen. Denn wer inseriert, kann sich zunächst ggf. vor Interessenten kaum retten. Es ist kaum möglich, alle zu einer Besichtigung einzuladen, erstrecht, wenn die Wohnung noch bewohnt ist, auch, um den Interessenten näher kennenlernen zu können. Es müssen folglich „Vorauswahlen“ erfolgen, die sich in der Regel daran orientieren, wer sich am besten von vornherein präsentiert. Zeitaufwendiges Nachfragen nach Schufa-Auskunft, 3 Gehaltsabrechnungen, Selbstauskunft, etc. erspart man sich. Auch eine Beschreibung der persönlichen Beweggründe im Vorfeld erleichtert die Vorauswahl.

So geschah es auch im Beispielsfall und die Aussagen zweier (alleinstehender) Personen, Anfang 60, die sich auf eine ca. 75 m² großen Wohnung bewarben, waren erschreckend: Sie suchten seit ca. 1 Jahr trotz perfekter „Bewerbungsunterlagen“. Sie wohnten seit Jahrzehnten in einem nicht kleinen, also für eine Person auf jeden Fall zu großen Einfamilienhaus. Die Familie hatte sich im Laufe der Jahre verkleinert, so dass man alleine übrig war. Die bisherige Kaltmiete war zwar vertretbar, da der Vermieter nie die Miete groß angehoben hatte. Problematisch war eine heute kaum noch bezahlbare Nachtspeicherheizung mit monatlich dreistelligen Vorschüssen.

Die Suche nach klassischen Single-Apartments war aussichtslos. Das Angebot sei zu klein. Folglich suchte man nach größeren Wohnungen, die zwar eigentlich außerhalb des Raumbedarfes liegen, jedoch trotz höherer Gesamtmiete zur Single-Wohnung günstiger sind. Dass damit allerdings einer jungen Familie mit 1 Kind eine ideale Wohnung „genommen“ wird, bleibt außen vor, da sich jeder lieber für eine ruhige Einzelperson entscheiden dürfte. So die traurige Praxis.

Lösung der Situation?

Diese dürfte kaum schnell verfügbar sein (und letztlich der Politik und den Wissenschaftlern vorbehalten sein). Der frühere („Klein“-) Vermieter hätte gewiss durch regelmäßige (re) Mieterhöhungen reagieren können, um eine frühzeitigere Wechselmotivation anzustoßen. In der Praxis wird dies gerne aus den unterschiedlichsten Gründen gescheut. Und auch für manch Mieter dürfte aus (berechtigter) Bequemlichkeit gleiches gelten.

Das Institut für Wirtschaft bietet seit langem geforderte Lösungsansätze: Bauen, bauen, bauen. Die Politik mit ihren restriktiven Gesetzen und Gesetzesnovellen erreicht das Gegenteil. Auch dies ist nichts Neues.

Den vollständigen Report gibt es unter: https://www.iwkoeln.de/fileadmin/user_upload/Studien/Report/PDF/2026/IW-Report_2026-Wohnindex-Q2-2026.pdf. Weitere spannende Informationen und Analysen ferner unter www.iwkoeln.de

Reimund Gau, 1. Vorsitzender Eigentümer- und Vermieterverein Bedburg und Umgebung