Die diesjährige Studienfahrt, wieder durchgeführt in Zusammenarbeit mit der Karl-Arnold-Stiftung e.V., führte mit 28 Mitgliedern des Eigentümer- und Vermietervereins Bedburg und Umgebung im Schwerpunkt nach Belgien mit dem Thema: „Flandern – Zentraler Knotenpunkt in Europa“.
Per Bus ging es zunächst von Bedburg nach Leuven zur Stadtführung: Die Universität wurde 1426 gegründet. Bei heute ca. 100.000 Einwohnern kommen 60.000 Studenten hinzu. Am 25.08.1914 starben bei einem Großbrand mehr als 240 Bürger. An dem Brand waren deutsche Truppen des Neusser Landsturm Bataillons beteiligt. Zerstört wurde auch das Glockenspiel der Parkabtei aus dem 18. Jahrhundert. Als Symbol der Versöhnung beteiligte sich die Stadt Neuss am Glockennachbau mit einer Spende von 40.000 €.
Mit diesen Eindrücken ging es nach Mechelen, gleichzeitig Tagungsort. Auch hier folgte eine kommentierte Stadtführung. Für den Bau der St.-Rombouts-Kathedrale benötigte man 300 Jahre. Unerklärlich ist die Aufregung hierzulande, wenn größere Bauvorhaben nicht binnen Monaten bzw. Jahren fertig werden. Bei der kommentierten Führung durch die sog. Kazerne Dossin wurde erläutert, dass die SS in der ehemaligen Infanteriekaserne ein Sammellager u. a. für Juden einrichteten. Zwischen 1942 und 1944 wurden u. a. 25.490 Juden, hierunter viele geflüchtete Deutsche, in 28 Zugtransporten, also ca. 1.000 Menschen/Zug, vor allem nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Nur ca. 5% überlebten.
Der Mittwoch war Brüssel-Tag: Das Gebäude des Ministerrates der Europäischen Union ist bemerkenswert (Das Foto zeigt die Teilnehmer im Foyer.). Es gab einen Einblick in die Aufgaben und Funktionen des Rates. Das „Motto“ lautet: In Vielfalt vereint. Es folgte ein Gespräch in der Vertretung des Landes NRWs bei der Europäischen Union. Als Beispiele der Tätigkeiten wurden etwa die Überlegungen zum „eisernen“ Rhein genannt: Um die Waren aus den Häfen ins Ruhrgebiet schneller zu transportieren, wird eine Erweiterung des Zugverkehrs geplant. Unter maßgeblicher Beteiligung der Vertretung konnten ca. 682 Mill. Euro aus „Brüssel“ als Unterstützung für den Braunkohleausstieg gewonnen werden. Dies zeigt, wie wichtig eine Vertretung NRWs vor Ort in Brüssel ist.
Im Rahmen einer umfassenden Stadtführung durch Brüssel durfte natürlich ein Besuch des Brüsseler Wahrzeichens „Manneken Pis“ nicht fehlen: Der kleine urinierende Mann, der über 1.200 verschiedene Kostüme verfügt, verkörpert mehrere Legenden: Die wohl bekannteste ist die, dass die Truppen des 2-jährigen Herrn ihn im Rahmen einer Schlacht in einen Korb an eine Eiche mit Blick auf die Schlacht banden. Während seine Männer in großer Not waren, urinierte er auf den Gegner und seine Männer gewannen.
Es folgten Stadtführungen durch Antwerpen, Gent und Brügge. Kennzeichnend (wie auch für Leuven und Maastricht) ist die hohe Sauberkeit, über die man nur staunen kann: Fast kaum Graffiti, nahezu keinen Müll auf der Straße und auch (aufdringliche) Bettler sucht man fast vergebens.
Zur Vermeidung von Überflutungen wurden in Brügge schlussendlich die Flüsse stadtauswärts verlegt. Grachten blieben. Teilweise erfolgten Überbauungen. Da die Belgier im 2. Weltkrieg nach wenigen Tagen kapitulierten, gab es folglich wenige Zerstörungen, was heute deutlich zu sehen ist. Insbesondere die imposanten Zunfthäuser in den genannten Städten blieben erhalten. Im Rahmen der Führung in Antwerpen durch das (alte) Hafenviertel wurde das architektonisch imposante MAS-Gebäude (ein Museum über mehrere Etagen sowie Restauration und Aussichtplattform) mit seinen fast 100 m Höhe Etage für Etage bestiegen. Hierbei ergab sich jeweils eine andere Sicht auf Stadt und den (heutigen) Hafen.
Auf dem Heimweg ging es über Maastricht. Die Stadtführung musste natürlich das Haus passieren, indem André Rieu seine ersten Lebensjahre verbrachte. Fehlen durfte auch nicht der Besuch einer früheren Kirche, in der heute eine Buchhandlung integriert ist, die Liebfrauenbasilika und die über viel Meter gut erhaltene Stadtmauer.
Mit sehr vielen positiven Eindrücken gelangten die Teilnehmer zur vollen Zufriedenheit mit konkreten Ideen für die Studienfahrt 2026 schließlich am 6. Tag nach Bedburg sicher zurück.
Walter Brück und Reimund Gau, Eigentümer- und Vermieterverein Bedburg und Umgebung

