Weniger und älter – in welche Zukunft blicken Deutschlands Regionen?

Für die fünfte Ausgabe der „Demografischen Lage der Nation“ haben die Wüstenrot Stiftung und das Berlin-Institut gemeinsam mit dem CIMA Institut für Regionalwirtschaft eine neue regionale Bevölkerungsprognose bis 2045 erarbeitet. Sie bildet die Grundlage dieser Studie. Ihre Ergebnisse zeigen: Das demografische Zwischenhoch der vergangenen Jahre geht zu Ende. Bis 2045 dürfte die Bevölkerung Deutschlands auf rund 81,8 Millionen Menschen sinken – 1,7 Millionen weniger als Ende 2025. Die Vorgängerstudie von 2019 ging noch von einer mittelfristig stabilen Gesamtbevölkerung aus, zumindest bis zum damaligen Prognosehorizont 2035. Seither sind jedoch die Geburtenzahlen und zuletzt auch die Zuwanderung zurückgegangen – zwei entscheidende Größen für die künftige Bevölkerungsentwicklung. Hinter dem bundesweiten Trend verbergen sich regionale Unterschiede. Die meisten Bundesländer dürften bis 2045 Bevölkerung verlieren. Besonders trifft es Thüringen und Sachsen-Anhalt mit Rückgängen von rund 17 bzw. 15 Prozent. Berlin und Hamburg wachsen dagegen voraussichtlich um 9,5 bzw. 8 Prozent. Auch Bremen und Bayern legen leicht zu. Deutlicher werden die Unterschiede auf Ebene der Landkreise und kreisfreien Städte. Vor allem zwischen dünn besiedelten ländlichen Regionen und urbanen Metropolräumen öffnet sich die Schere weiter: Während die Bevölkerung der thüringischen Stadt Suhl bis 2045 um rund 30 Prozent zurückgehen dürfte, wächst sie im brandenburgischen Landkreis Dahme-Spreewald voraussichtlich um etwa 17 Prozent. Insgesamt zeigt sich: 42 der 50 Regionen mit den stärksten prognostizierten Bevölkerungsverlusten liegen im Osten Deutschlands.

Trübe demografische Aussichten – nicht nur im Osten

Doch der demografische Wandel ist längst kein rein ostdeutsches Thema mehr. Ostdeutsche Regionen sind vielmehr Vorreiter einer Entwicklung, die zunehmend auch den Westen erreicht. Im Saarland, in Südwestfalen, im Süden Niedersachsens oder im Norden Bayerns trüben sich die demografischen Aussichten ein. Andere Regionen bleiben auf Wachstumskurs – etwa im Allgäu, in Südhessen, im westlichen Niedersachsen oder im Umland vieler Großstädte.

Neben der Bevölkerungszahl verändert sich auch die Altersstruktur.

Die Zahl der Menschen im Ruhestandsalter über 67 Jahren dürfte bis 2045 um rund 14,5 Prozent steigen. Gleichzeitig schrumpft die Gruppe der unter 20-Jährigen um 10,6 Prozent. Die Bevölkerung im Erwerbsalter zwischen 20 und 67 Jahren geht voraussichtlich um etwa 4,7 Prozent zurück. Wie stark diese Veränderungen ausfallen, unterscheidet sich von Region zu Region – und damit auch der Anpassungsdruck vor Ort. Die Schere zwischen den Regionen öffnet sich.

Und wie sieht es im Rheinland aus?

Im Rhein-Erft-Kreis geht man davon aus, dass sich die Bevölkerung um 1,4 Prozent von 477.988 im Jahre 2024 auf 471.457 im Jahre 2045 verringert. In Köln errechnet man noch ein kleines Wachstum von 1,5 Prozent auf dann 1.039.918 Bewohner. Im Rhein-Sieg-Kreis hingegen ermittelt man eine Verringerung um 6 Prozente von 605.329 auf 569.329, im Rheinisch-Bergischen-Kreis eine von 5,1 Prozent von 284.273 auf 269.818. Leverkusen und Düren bleiben nahezu konstant.

Bei der Altersgruppe ab 68 Jahren wird in Köln mit einer Steigerung um 23,4 Prozent von 152.670 Personen in 2024 auf 188.332 in 2045 gerechnet, im Rhein-Erft-Kreis um 15,7 Prozent von 87.502 auf 101.203, der Rhein-Sieg-Kreis um 20,8 Prozent von 114.966 auf 138.881.

Bis auf die Ballungszentren dürfte es aufgrund der sinkenden Einwohnerzahlen auch im Speckgürtel um Köln zu einer Entspannung auf dem Wohnungsmarkt kommen. Bis dahin wird es aber noch sehr lange dauern. Daher gilt weiterhin: Bauen, bauen, bauen, aber mit Augenmaß, um sich auf den demografischen Wandel vorzubereiten. Empfehlenswert dürfte insbesondere der Bau von barrierearmen bzw. barrierefreien Wohnungen sein.

Unter www.demografischelage.de findet sich ein interaktives Webangebot. Die zentralen Ergebnisse mit Grafiken werden anschaulich zusammengefasst und aufbereitet. Die wichtigsten Daten zu allen 400 Kreisen und kreisfreien Städte in Deutschland sind abrufbar. Ein Blick lohnt.

Reimund Gau, 1. Vorsitzender Eigentümer- und Vermieterverein Bedburg und Umgebung